Umberto Eco – Der Name der Rose

Jeder hat dieses eine Buch, das ist, wie ein warmes Bett, in das man nach frühem Aufstehen zurückdarf; wie ein frischer Kaffee in Mamas Küche, wie der Geruch in Omas Wohnzimmer. Das ultimative Gefühl von Geborgenheit. Egal, wann man es hervorholt, egal, auf welcher Seite man es aufschlägt: man ist sofort da, sofort drin. Weiß, was drei Seiten vorher passiert ist und was nach dem Umblättern passiert. Das eine Buch, das immer passt, immer da ist. Egal, wie man sich fühlt. Dieses eine Buch, das immer zuerst in die Umzugskiste rein und auch wieder rauskommt, der Fels in der Brandung der wechselnden Gezeiten im Buchregal. So sieht es übrigens auch aus; muss es auch! Unten aufgequollen, weil Lesen in der Badewanne nur im Film wirklich gut funktioniert, hinten der Fleck aus dem Zeltlager, weil Arne Klusemann zu viel Stockbrot mit Senf gegessen hat und die zwei eingerissenen Seiten von der Busfahrt nach Dingenskirchen. „Willste das ranzige Buch nicht mal gegen eine neue Ausgabe tauschen?“ „Ähm, tausch Du doch Deine Mutter! Dieses eine Buch ist für mich DER NAME DER ROSE von Umberto Eco. Ein Buch, das alles ist und noch mehr sein kann. Ein spannender Krimi, ein Geschichtsbuch, ein Buch über die Liebe zu Büchern, eine Hommage an Doyle, ein Sittengemälde des Mittelalters. Ein Buch, das einem einiges abverlangt und es doppelt zurückzahlt – mit Wissen und mit einer unendlichen Welt. Wenn ich mit dem Bruder botanicus durch den Klostergarten schlendere oder mit William und Adson durch die Räume der Bibliothek schleiche, kann Red Dead Redemption noch mal heim üben gehen. Das Kino in meinem Kopf hat keine Pixel, nicht einen. Der Adson von Melk vor meinem geistigen Auge ist 4K zum Quadrat (also 16K?! ‍♂️) und das Scriptorum ganz genauso, wie Eco will, dass ich mir es vorstellen darf. Kannste Dir aus RAM nicht nachklöppen. Sorry, #Playsi – wir können ja Freunde bleiben. Und das ist genau der Grund, warum Bücher für mich immer bleiben werden, digital oder gedruckt. Quod erat demonstrandum. Das, was in den einfachen schwarzen Zeichen auf weißem Grund steckt, gibt es so nirgendwo anders. Wer könnte das besser wissen, als Umberto Eco, der Semiotiker.

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