Günter Grass – Die Blechtrommel

Pickel, Pubes, Peinlichkeiten – das letzte Mal habe ich DIE BLECHTROMMEL vor 26 Jahren gelesen und was mein porenverstopftes Ich mit 14 für den Gipfel literarischer Schaffenskunst hielt, erweist sich itzo eher als ejaculatio praecox; windet sich wie ein glitschiger Aal aus einem ollen Pferdekopf, wenn ein semibegabter Brandstifter irgendwo in der Walachei Oskarchens ostpreussischer Oma mittemang und ungefragt unterröckens krabbelt und hernach nonchalant den …

Sir Arthur Conan Doyle – Der Hund der Baskervilles

Also zuerst mal: wir sind alle megasafe. In Deutschland gibt’s ja zum Glück superschlaue Listen, auf denen Listenhunde stehen und wenn der HUND DER BASKERVILLES da nicht draufsteht, dann weiß ich ja auch nicht. Aber vor 120 Jahren war in #Dartmoor noch nicht viel mit Leinenzwang, Maulkorb, Kacketüten und Tollwutmarke. Extrafeines Hundefutter mit Soße, Froschkaviar, Erbschen und Möhrchen war auch nicht erfunden und deshalb gab‘s …

Jacques Mesrine – Der Todestrieb • L’Instinct de mort

Bei dem Vorstrafenregister kippt die Hälfte deutscher Gangster-Rapper beim Facebook-Posten vor Schreck ihr Glas zollfreien #Hennessyaufs goldene Gucci-MacBook, denn während heute einmal Schwarzfahren und direkt erwischt werden offenbar reicht, um muffige, EU-subventionierte Wellblech-Hallen in deutschen Industriegebieten mit der kompletten U15-Population brennpunktloser Mittelzentren zu 70 Euro each zu füllen, hat sich Jacques #Mesrine seine Popularität immerhin mit echtem Blut erkauft. Kluger und verwerflicher Weise zugleich naturellement …

Jules Verne – 20.000 Meilen unter dem Meer

Alle zweiundeinhalb Seemeilen eine Plastiktüte in der Schiffschraube, kein Fisch vor den Gucklöchern und wenn, dann mit dem Bauch nach oben, Seekühe ausgestorben, alles voller abgesoffener Atom-U-Boote, ständig Mikroplastik im zinnenen Zahnputzbecher und aufgetaucht wird abwechselnd in Müllkontinenten oder Ölteppichen. Hat sich Jules #Verne wahrscheinlich auch alles anders vorgestellt, das mit dem Outlaw-Leben unter Wasser in der Zukunft. Sieg der Technik über die Natur klang …

Don Winslow – Tage der Toten

Tijuana, Mexiko. 48 Grad im Schatten, die Sonne brennt, in den Straßen brodeln die Leichenberge, weil die Corpse-Abfuhr streikt und in der Luft hängt der süßliche Geruch von geronnenem Blut, Angst und Testosteron. Im Hintergrund rattern die Geldzählmaschinen, irgendwo klingelt ein rotes Wählscheibentelefon. Ein finster dreinschauender Sicário mit fein ausrasiertem Menjou-Bärtchen, die verchromte AK47 locker in die Hüfte gestemmt, zwischen den blitzenden Gold-Zähnen einen glimmenden …

Tim Krabbé – Das goldene Ei

Es ist Ostern! Rex sucht Saskia. Eben war sie noch da. Saß seit den Niederlanden im Auto neben ihm, war mit ihm auf dem Weg nach Südfrankreich ins Ferienhäuschen, Lavendel schnuppern, Zikaden lauschen, Pernod nippen, Gitanes schmauchen, und jetzt, kurz nachdem die beiden die Route du Soleil verlassen und zum Tanken gestoppt haben, ist Saskia weg. Einfach so. Ohne ein Wort. Ohne Spaß. Schlicht und …

Bram Stoker – Dracula

Obacht, Männer! Jetzt geht’s um die Wurst. Es ist doch immer das gleiche! Da kommt es, das Monster aus dem Osten, kurz vor Türkenland, gotteslästerlich vor Gottes Angesicht in Ungnade gefallen, dem heidnischen Aberglauben entsprungen und zu ewiger Verdammnis bestimmt, schlägt es des nächtens – halb Mensch, halb Tier, furchtbar gutaussehend und sportlich – seine langen, spitzen Eckzähne in die schneeweißen Hälse Eurer, unserer Frauen. …

Heinz Strunk – Der goldene Handschuh

Vergammelte Omas. Interessiert sich kein Mensch für. Zahnlose Lederlappen in alkoholkonservierten Kittelschürzen, die für ein halbes Glas Fako den letzten Rest ihrer ranzigen Nachkriegs-Trümmer-Würde samt einer Runde Facki mit der Tochter per Bierdeckelvertrag an den deformierten, degenerierten Korsakow-Zwerg verkaufen, um dann vergewaltigt und zerschunden, mittels Fuchsschwanz in kniestockgerechte Portionen zerhobelt und als Fleisch am Stiel hinter Pappwand, Klebeband und ausgeblichene Masturbationsvorlagen gestopft zu werden. Da …

Patricia Highsmith – Der talentierte Mr. Ripley

„Mir doch egal, was der kleine Wannabe-Komparatist in Dir will. Tom Ripley ist Matt Damon ist Jason Bourne. Aus, Ende, Popcorn. Sei lieber froh, dass ich für Ripley nicht Sigourney Weaver auspacke, Du Aushilfs-Geisteswissenschaftler“, spricht mein inneres Auge und drückt mir Matt Damon aufs selbige. So sehr, dass ich fürchte, gleich kommt die Potente um die Ecke geschauspielergedarstellert. Literarische Perle vor die cineastische Sau, fühle …

Judith Schalansky – Der Hals der Giraffe

In den Sonnenstrahlen, die durch die schlecht geputzten Fenster scheinen, wirbelt der Staub der Jahrzehnte von den Regalböden der Präparatesammlung, die abgestandene Luft riecht nach den toten Fliegen und Wespen auf den steinernen Fenstersimsen, so trocken, dass sie zerfallen, berührt man sie; riecht nach den Milben in Fell und Federn der präparierten Hermeline und Kolkraben; nach dem Formalin der vergilbten Gläser voller Kröten, Schlangen und …