Marlen Haushofer – Die Wand

Schullektüre? Den meisten kommt da direkt ein bisschen Kotze hoch. Werke wie Marlen Haushofers DIE WAND haben ihren Weg zwar nicht zufällig in den literarischen Katalog für gelangweilte Elftklässler gefunden, zugleich wohnt dieser Kanonisierung aber betrüblicher Weise eine ungerechte Stigmatisierung des Textes inne. Gebrandmarkt, mit Geschlechtsteilen oder der längst vergessenen #loveofmylife bekritzelt und verabscheut, fristet das verranzte Paperback fortan seine Dasein in verlassenen Kinderzimmern, Umzugskartons und bodennahen Regalböden und es bedarf schon eines gesteigerten literarischen Interesses, einer gewissen Verzweiflung oder neuer Pflichten, damit man sich einer ehemaligen Schullektüre erneut und vorurteilsfrei widmet. Dürrenmatt knows best. Auch im Fall von Haushofers DIE WAND ein tragisches Missverständnis. Was #Walden?! Hau ab, #thewalkingdead und #lost my ass! DIE WAND ist der Robinsonaden-Shit und zwar aus den 1960ern. Für alle, die in der Blase zwischen den hashtgags #naturelover, #hatepeople und #selfloveclub oszillieren: Pflichtleküre. Und für alle anderen auch. Bookfink ist raus, wie die namenlose Heldin.