Cormac McCarthy – Ein Kind Gottes

Lester Ballad ist draußen wie ein Dixi(e)-Klo, wahrscheinlich war er nie wirklich drin. Selbst wenn man sich zu Beginn von Cormac McCarthys EIN KIND GOTTES hin und wieder der leisen Hoffnung hingibt und sich wünscht, Lester fände einen Weg raus aus dem Wald, zurück in die Gesellschaft des gottverlassenen Tennesse-Hinterlandes, wo niemand unversehrt scheint, schlägt einem bereits auf der nächsten Seite ein noch widerwärtigerer Brodem aus Schwarzpulver, Fäulnis, Brandgeruch, Körpersäften und Verzweiflung entgegen. Hillbilly bleib‘ bei deinem Banjo, denkt man. Doch mit jeder Zeile, jeder neuen Tat, drängt McCarthy Lester mehr und mehr vom Pfad und raus aus der Schnittmenge. Mit jeder Zeile ist man weniger bereit, Lester beizustehen, zu verstehen, was ihn bloß so ruiniert hat. Geschweige denn, ihm zu verzeihen. Lester Ballard, letzter Bastard, denkt man und ahnt zwar, aber weiß nicht, was ihn zu dem gemacht hat, der er ist. So gibt man Lester – anders als Strunks #Honka – schließlich widerstandslos und erleichtert auf, ist nicht länger bereit, ihm bei seinen Taten über die Schulter zu sehen; tritt zurück auf die andere Seite und sieht von hier aus, durch eine blutverschmierte Scheibe, wie Lester für immer im Nebel, weit hinten im Schneetreiben verschwindet. An seinem Gürtel erlegte Eichhörnchen, über der Schulter sein Gewehr, unter dem Arm eines seiner verschmutzten Stofftiere. Ein einsames Kind Gottes. Nach 191 Seiten spricht das weder für Lester und beileibe nicht für Gott.

Ein Kind Gottes bei Rowohlt

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