Christian Kracht – Imperium

»Unter den langen weißen Wolken, unter der prächtigen Sonne, unter dem hellen Firmament, da war erst ein langgedehntes Tuten zu hören, dann rief die Schiffsglocke eindringlich zu Mittag, und ein malayischer Boy schritt sanftfüßig und leise das Oberdeck ab, um jene Passagiere zu wecken, die gleich nach dem üppigen Frühstück wieder eingeschlafen waren.« Christian Krachts Roman ist viel – für einige Anlass @mr.christiankracht dieser oder jener Geisteshaltung zu verdächtigen, für andere die eindringlich erzählte Lebensgeschichte des (fast vergessenen) Freidenkers August Engelhardt, schlicht ein Abenteuerroman oder ein exakt vermessenes Sittenbild der deutschen Gesellschaft zum Beginn des 20. Jhd., für viele einfach langweilig. Für mich ist der Roman vor allem eine Liebeserklärung an die Kraft der deutschen Sprache und Ausdruck der großen Sprachkunst Christan Krachts. Wunderbar poetisch, klingend, voller kunstvoller Konstruktionen, märchenhaft erzählt, strotzt er von vergessenen Begrifflichkeiten und einer Sprache, die heute, eine Jahrhundertwende und eine digitale Revolution später, anachronistisch wirkt, in ihrer ausschweifenden Länge, in ihrer detail- und adjektivverliebten Tiefe, in ihrer klangvollen Exaltiertheit. Wer Sprache und ihre Vielfalt genießen will, dem sei #Imperium wärmstens empfohlen. Wer mehr will, wer Tiefe sucht, wer literarisch liest und denkt, dem ohnehin.

Imperium beim KiWi-Verlag