Alle Artikel in Thriller

Tim Krabbé – Das goldene Ei

Es ist Ostern! Rex sucht Saskia. Eben war sie noch da. Saß seit den Niederlanden im Auto neben ihm, war mit ihm auf dem Weg nach Südfrankreich ins Ferienhäuschen, Lavendel schnuppern, Zikaden lauschen, Pernod nippen, Gitanes schmauchen, und jetzt, kurz nachdem die beiden die Route du Soleil verlassen und zum Tanken gestoppt haben, ist Saskia weg. Einfach so. Ohne ein Wort. Ohne Spaß. Schlicht und …

Heinz Strunk – Der goldene Handschuh

Vergammelte Omas. Interessiert sich kein Mensch für. Zahnlose Lederlappen in alkoholkonservierten Kittelschürzen, die für ein halbes Glas Fako den letzten Rest ihrer ranzigen Nachkriegs-Trümmer-Würde samt einer Runde Facki mit der Tochter per Bierdeckelvertrag an den deformierten, degenerierten Korsakow-Zwerg verkaufen, um dann vergewaltigt und zerschunden, mittels Fuchsschwanz in kniestockgerechte Portionen zerhobelt und als Fleisch am Stiel hinter Pappwand, Klebeband und ausgeblichene Masturbationsvorlagen gestopft zu werden. Da …

Patricia Highsmith – Der talentierte Mr. Ripley

„Mir doch egal, was der kleine Wannabe-Komparatist in Dir will. Tom Ripley ist Matt Damon ist Jason Bourne. Aus, Ende, Popcorn. Sei lieber froh, dass ich für Ripley nicht Sigourney Weaver auspacke, Du Aushilfs-Geisteswissenschaftler“, spricht mein inneres Auge und drückt mir Matt Damon aufs selbige. So sehr, dass ich fürchte, gleich kommt die Potente um die Ecke geschauspielergedarstellert. Literarische Perle vor die cineastische Sau, fühle …

Dennis Lehane – Mystic River

Dennis Lehanes Amerika ist verrottet, korrupt und nicht mehr, als die Sehnsucht nach längst vergangenen Zeiten. Lange vor dem Rust-Belt, als das Blubbern der Acht-Zylinder Limousinen Made in USA über den nassen, nachtschwarzen Asphalt zwischen akkurat gemähten Vorgärten der Vororte glitt. Heute blättert die Farbe von den hölzernen Veranden im Bostoner Arbeiterviertel, der ausgefranste Star-Spangeld Banner schlägt matt im warmen Sommerwind und hinter den löchrigen …

Jeff VanderMeer – Auslöschung

„Palim, Palim, ich hätte gerne eine Flasche Pommes Frites!“ Nonstop Nonsens – klingt nach einer Sendung von Didi Hallervorden. Ist es auch. Steht man phantastischer #Scifi Literatur und/oder psychoaktiven Substanzen im Allgemeinen eher skeptisch gegenüber, mag man es für den passenden Hashtag halten, um #AUSLÖSCHUNG von Jeff VanderMeer zu taggen. Der finstere, tief melancholische Auftakt der Scifi-Triologie des Autors ist wie #Lakritze oder der 18. …

Joseph Conrad – Herz der Finsternis

Ich liebe den Geruch von Novellen am Morgen! „Die Stromstrecken taten sich vor uns auf und schlossen sich hinter uns, als wäre der Urwald lautlos ins Wasser getreten, um uns den Weg zu versperren. Tiefer und tiefer drangen wir in das Herz der Finsternis ein.“ Für Jorge Luis #Borges ist Joseph Conrads HERZ DER FINSTERNIS nicht weniger als »[d]ie vielleicht eindringlichste Erzählung, die die menschliche …

Gerard Donovan – Winter in Maine

Um Gottes willen! Nicht! Der! Hund! Es ist ein ungeschriebenes und weithin akzeptiertes Gesetz, zumindest im Film: dem Hund darf nix passieren! NIX! Die Ausrottung kompletter Familien mit Stumpf, Stil und Erbfolge; magenhebende Dislokationen lebenswichtiger Organe und Körperbestandteile allerorten; möglichst kreative und hyperrealistische Termination aller Protagonisten – das alles nimmt der moderne Zuschauer gelassen hin, ja, ist ihm meist nicht mehr als ein Achselzucken wert. …

Truman Capote – Kaltblütig

1959 richten zwei Kleinkriminelle die vierköpfige Familie Clutter in ihrem Farmhaus in Holcomb Texas kaltblütig hin. Ein Verbrechen, das bis heute Menschen auf der ganzen Welt beschäftigt. Aktuelle Erfolge von True Crime Formaten bei netflix & Co oder die anhaltende Popularität von Autoren wie Mark Benecke, Tsokos oder Schirach belegen die ungebrochene Faszination für wahre Verbrechen. Eines der ersten, modernen Werke und vielleicht so etwas …

David Monteagudo – Ende

Ein abgelegener Ort in den Bergen, eine Gruppe alter Freunde, die sich nach langer Zeit in der Abgeschiedenheit wiedertreffen. Einer, der nicht erscheint. Einer, dem offenbar übel mitgespielt wurde. So beginnen Horrorfilme. Was David Monteagudo in seinem Roman ENDE auf 350 Seiten entfaltet ist genau das: Horror. Jedoch einer, der ohne Blut, Gewalt und drastische Bilder auskommt. Ein buchstäblicher horror vacui, Angst vor der Leere. …

Robert Hobbs – Ghostman

Roger Hobbs Erstling GHOSTMAN ist ein großes Ding. Vor der Veröffentlichung 2013 knabberte Hobbs Tütensuppen, für die ersten 50 Seiten seines Buches verfielen ihm Verlage und Filmproduzenten gleichermaßen. Protagonist ist Jack, Profi-Gangster und Ghostman. Sein größtes Talent: niemand weiß von seiner Existenz. Er wird gerufen, wenn ein ganz großer Coup geplant ist – oder schiefläuft. GHOSTMAN erzählt kompromisslos, cool und brutal. Wer auf Caper-Stories, Heist-Thriller …