Alle Artikel in Deutsche Literatur

Heinz Strunk – Fleckenteufel

Ach, ich weiß es doch auch nicht. Wie man es auch dreht und wendet: FLECKENTEUFEL vom ollen Heinser #Strunk ist eine Gratwanderung. Gänsefüßchen vor Gänsefüßchen stolpert man über einen schmalen Steg und ganz dünnes Eis dem vermeintlichen Gipfel entgegen, beiderseits dräut die Gefahr, den Blick vernebelt von überfeuchten Pennälerträumen, koppheister in niveaubodenlostiefe Schluchten voller Körpersäfte, Pupsis und Mundwinkelspeichelschaum zu stürzen; es mufft nach v/ollen Socken, …

Erich Maria Remarque – Im Westen nichts Neues

Einen Scheiß wissen wir • Ich bin zehn und sitze auf der Eckbank in der Küche neben meinem Großvater, seine unglaublich großen Hände ruhen auf der abgenutzten Kante der Resopal-Platte, die Luft ist schwer vom Pfeifenrauch und dem Dampf des Spülwassers meiner Großmutter, die weiter hinten mit dem Geschirr klappert, es riecht nach gebratenen Zwiebeln, dem Schwefel der Streichhölzer und – trockenmuffig dazwischen – dem …

Patrick Süskind – Das Parfum

Stinkt! Es gibt Bücher und es gibt Bücher, die begleiten dich dein Leben lang. Bücher, für die du deine endlosen, stetig wachsenden Regale erst aus IKEA-Kellerregalen, später vielleicht aus sowas wie Vollholz zusammenzimmerst, in deren hölzernen Herzen die zerfledderten Ausgaben deiner Lieblinge fortan stehen; links und rechts meterweit flankiert von irgendwelchen halbgaren, ganz netten, furchtbaren oder mittelguten, meist nie wieder aufgeschlagenen Machwerken, die sich im …

Günter Grass – Die Blechtrommel

Pickel, Pubes, Peinlichkeiten – das letzte Mal habe ich DIE BLECHTROMMEL vor 26 Jahren gelesen und was mein porenverstopftes Ich mit 14 für den Gipfel literarischer Schaffenskunst hielt, erweist sich itzo eher als ejaculatio praecox; windet sich wie ein glitschiger Aal aus einem ollen Pferdekopf, wenn ein semibegabter Brandstifter irgendwo in der Walachei Oskarchens ostpreussischer Oma mittemang und ungefragt unterröckens krabbelt und hernach nonchalant den …

Heinz Strunk – Der goldene Handschuh

Vergammelte Omas. Interessiert sich kein Mensch für. Zahnlose Lederlappen in alkoholkonservierten Kittelschürzen, die für ein halbes Glas Fako den letzten Rest ihrer ranzigen Nachkriegs-Trümmer-Würde samt einer Runde Facki mit der Tochter per Bierdeckelvertrag an den deformierten, degenerierten Korsakow-Zwerg verkaufen, um dann vergewaltigt und zerschunden, mittels Fuchsschwanz in kniestockgerechte Portionen zerhobelt und als Fleisch am Stiel hinter Pappwand, Klebeband und ausgeblichene Masturbationsvorlagen gestopft zu werden. Da …

Judith Schalansky – Der Hals der Giraffe

In den Sonnenstrahlen, die durch die schlecht geputzten Fenster scheinen, wirbelt der Staub der Jahrzehnte von den Regalböden der Präparatesammlung, die abgestandene Luft riecht nach den toten Fliegen und Wespen auf den steinernen Fenstersimsen, so trocken, dass sie zerfallen, berührt man sie; riecht nach den Milben in Fell und Federn der präparierten Hermeline und Kolkraben; nach dem Formalin der vergilbten Gläser voller Kröten, Schlangen und …

Robert Schneider – Schlafes Bruder

Wie Süskinds #PARFUM, nur mit den Ohren statt mit der Nase. Wenn Grenouille wegen seines Riechsinns von Prof. Xavier für #X-Men rekrutiert würde, dann Elias Alder wegen seines absoluten, überabsoluten Gehörs, das ihn während eines eindrücklich beschriebenen Erweckungserlebnis im Alter fünf Jahren überkommt.  Jedenfalls vegetiert Elias fortan mit seiner Superkraft als gelbäugige Perle vor den Säuen in den Koben seines von Inzest zerfressenen, degenerierten Bergdorfes, …

Stefan aus dem Siepen – Das Seil

Manchmal braucht es nicht viel, um das Leben aus den Fugen geraten zu lassen. Für die Bewohner des namenlosen Dorfes in Stefan aus dem Siepens kurzem Büchlein DAS SEIL reicht ein Seil, dessen Ende eines Abends auf einer Wiese unweit der Häuser des Dorfes liegt und von dort in den Wald führt. Ein gutes, ein dickes, solides und ziemlich teures Seil, eines wie es keiner …

Theodor Fontane – Effi Briest

Roy Orbison singing for the lonely. Hey, that’s me and I want you only. Don’t turn me home again, I just can’t face myself alone again. Viele wunderbare Geschichten entspringen seit jeher ein und derselben bittersüßen, nie versiegenden Quelle: dem winzig großen, himmelweiten und traurig-schönen Riss zwischen Dir und mir. Dem tiefen Graben, der sich stets öffnet, black as the pit from pole to pole, …

Heinz Strunk – Das Teemännchen

Muss man sich mal vorstellen. Kann sich kein Mensch vorstellen. Während alle in den Goldenen Handschuh rein, einige schnell wieder raus und die Farbbänder in den Schreibmaschinen der Feuilletonisten heiß laufen, schielen wir wie Fritz Honka, die olle Fleischsäge, vorbei an Soldaten-Norbert und den Verschimmelten, durch die halboffene Tür des Goldenen Handschuhs, knapp über die Musikbox, geradeaus, übers Haus, drei Mal rum und hochhinaus und …