Alle Artikel in Belletristik

George Orwell – 1984

My Mama don’t like you, and she likes everyone. Wie #1984. Likes auch irgendwie everyone. Dann kann es ja schon nix sein! Aber ich hab es schon gelesen, als es noch uncool war, spricht flugs der Literipster über das dystopische Dingsbums von George #Orwell, das dem frisch zerhackstückten, atomzerbombten Erdenrund bereits 1949 in bester, postapokalyptischer Manier die nächste riesengroße Scheiße vorausorakelt, in die wir uns …

Patrick Süskind – Das Parfum

Stinkt! Es gibt Bücher und es gibt Bücher, die begleiten dich dein Leben lang. Bücher, für die du deine endlosen, stetig wachsenden Regale erst aus IKEA-Kellerregalen, später vielleicht aus sowas wie Vollholz zusammenzimmerst, in deren hölzernen Herzen die zerfledderten Ausgaben deiner Lieblinge fortan stehen; links und rechts meterweit flankiert von irgendwelchen halbgaren, ganz netten, furchtbaren oder mittelguten, meist nie wieder aufgeschlagenen Machwerken, die sich im …

Noah Gordon – Der Medicus

Wenn dein Friseur vor dem Haareschneiden erst noch ‘ne Runde Pferdeäpfel jongliert und nach dem Schnitt statt ein warmes Handtuch auf dein Gesicht, den verfaulten Backzahn mit einer schmiedeeisernen Zange aus deinem Gesicht knötert, dann biste entweder Kassenpatient oder im Mittelalter gelandet. Bader heißt das Berufsbild, für das sich der Waise Rob Cole im 11. Jahrhundert entscheidet, nachdem seine komplette Familie just den grob geschnitzten …

Günter Grass – Die Blechtrommel

Pickel, Pubes, Peinlichkeiten – das letzte Mal habe ich DIE BLECHTROMMEL vor 26 Jahren gelesen und was mein porenverstopftes Ich mit 14 für den Gipfel literarischer Schaffenskunst hielt, erweist sich itzo eher als ejaculatio praecox; windet sich wie ein glitschiger Aal aus einem ollen Pferdekopf, wenn ein semibegabter Brandstifter irgendwo in der Walachei Oskarchens ostpreussischer Oma mittemang und ungefragt unterröckens krabbelt und hernach nonchalant den …

Sir Arthur Conan Doyle – Der Hund der Baskervilles

Also zuerst mal: wir sind alle megasafe. In Deutschland gibt’s ja zum Glück superschlaue Listen, auf denen Listenhunde stehen und wenn der HUND DER BASKERVILLES da nicht draufsteht, dann weiß ich ja auch nicht. Aber vor 120 Jahren war in #Dartmoor noch nicht viel mit Leinenzwang, Maulkorb, Kacketüten und Tollwutmarke. Extrafeines Hundefutter mit Soße, Froschkaviar, Erbschen und Möhrchen war auch nicht erfunden und deshalb gab‘s …

Jacques Mesrine – Der Todestrieb • L’Instinct de mort

Bei dem Vorstrafenregister kippt die Hälfte deutscher Gangster-Rapper beim Facebook-Posten vor Schreck ihr Glas zollfreien #Hennessyaufs goldene Gucci-MacBook, denn während heute einmal Schwarzfahren und direkt erwischt werden offenbar reicht, um muffige, EU-subventionierte Wellblech-Hallen in deutschen Industriegebieten mit der kompletten U15-Population brennpunktloser Mittelzentren zu 70 Euro each zu füllen, hat sich Jacques #Mesrine seine Popularität immerhin mit echtem Blut erkauft. Kluger und verwerflicher Weise zugleich naturellement …

Jules Verne – 20.000 Meilen unter dem Meer

Alle zweiundeinhalb Seemeilen eine Plastiktüte in der Schiffschraube, kein Fisch vor den Gucklöchern und wenn, dann mit dem Bauch nach oben, Seekühe ausgestorben, alles voller abgesoffener Atom-U-Boote, ständig Mikroplastik im zinnenen Zahnputzbecher und aufgetaucht wird abwechselnd in Müllkontinenten oder Ölteppichen. Hat sich Jules #Verne wahrscheinlich auch alles anders vorgestellt, das mit dem Outlaw-Leben unter Wasser in der Zukunft. Sieg der Technik über die Natur klang …

Don Winslow – Tage der Toten

Tijuana, Mexiko. 48 Grad im Schatten, die Sonne brennt, in den Straßen brodeln die Leichenberge, weil die Corpse-Abfuhr streikt und in der Luft hängt der süßliche Geruch von geronnenem Blut, Angst und Testosteron. Im Hintergrund rattern die Geldzählmaschinen, irgendwo klingelt ein rotes Wählscheibentelefon. Ein finster dreinschauender Sicário mit fein ausrasiertem Menjou-Bärtchen, die verchromte AK47 locker in die Hüfte gestemmt, zwischen den blitzenden Gold-Zähnen einen glimmenden …

Tim Krabbé – Das goldene Ei

Es ist Ostern! Rex sucht Saskia. Eben war sie noch da. Saß seit den Niederlanden im Auto neben ihm, war mit ihm auf dem Weg nach Südfrankreich ins Ferienhäuschen, Lavendel schnuppern, Zikaden lauschen, Pernod nippen, Gitanes schmauchen, und jetzt, kurz nachdem die beiden die Route du Soleil verlassen und zum Tanken gestoppt haben, ist Saskia weg. Einfach so. Ohne ein Wort. Ohne Spaß. Schlicht und …

Bram Stoker – Dracula

Obacht, Männer! Jetzt geht’s um die Wurst. Es ist doch immer das gleiche! Da kommt es, das Monster aus dem Osten, kurz vor Türkenland, gotteslästerlich vor Gottes Angesicht in Ungnade gefallen, dem heidnischen Aberglauben entsprungen und zu ewiger Verdammnis bestimmt, schlägt es des nächtens – halb Mensch, halb Tier, furchtbar gutaussehend und sportlich – seine langen, spitzen Eckzähne in die schneeweißen Hälse Eurer, unserer Frauen. …