Alle Artikel in Amerikanische Literatur

Cormac McCarthy – Kein Land für alte Männer

Ein Land, schartig, spröde und rissig, wie das zerfurchte Gesicht Sheriff Bells; ein Land, unerbittlich, hart und grausam, wie Anton Chigurhs Bolzenschußgerät; ein Land, karg, staubig und trocken, wie der Text selbst. KEIN LAND FÜR ALTE MÄNNER. Klingt wie der neue #Passmann, ist aber ein McCarthy, der am Rande fischt, was die nimmermüde Blech-und-Plastik-Brandung an White Trash in westtexanische Trailer-Parks spült, um es auf wenige, …

Noah Gordon – Der Medicus

Wenn dein Friseur vor dem Haareschneiden erst noch ‘ne Runde Pferdeäpfel jongliert und nach dem Schnitt statt ein warmes Handtuch auf dein Gesicht, den verfaulten Backzahn mit einer schmiedeeisernen Zange aus deinem Gesicht knötert, dann biste entweder Kassenpatient oder im Mittelalter gelandet. Bader heißt das Berufsbild, für das sich der Waise Rob Cole im 11. Jahrhundert entscheidet, nachdem seine komplette Familie just den grob geschnitzten …

Don Winslow – Tage der Toten

Tijuana, Mexiko. 48 Grad im Schatten, die Sonne brennt, in den Straßen brodeln die Leichenberge, weil die Corpse-Abfuhr streikt und in der Luft hängt der süßliche Geruch von geronnenem Blut, Angst und Testosteron. Im Hintergrund rattern die Geldzählmaschinen, irgendwo klingelt ein rotes Wählscheibentelefon. Ein finster dreinschauender Sicário mit fein ausrasiertem Menjou-Bärtchen, die verchromte AK47 locker in die Hüfte gestemmt, zwischen den blitzenden Gold-Zähnen einen glimmenden …

Patricia Highsmith – Der talentierte Mr. Ripley

„Mir doch egal, was der kleine Wannabe-Komparatist in Dir will. Tom Ripley ist Matt Damon ist Jason Bourne. Aus, Ende, Popcorn. Sei lieber froh, dass ich für Ripley nicht Sigourney Weaver auspacke, Du Aushilfs-Geisteswissenschaftler“, spricht mein inneres Auge und drückt mir Matt Damon aufs selbige. So sehr, dass ich fürchte, gleich kommt die Potente um die Ecke geschauspielergedarstellert. Literarische Perle vor die cineastische Sau, fühle …

Dennis Lehane – Mystic River

Dennis Lehanes Amerika ist verrottet, korrupt und nicht mehr, als die Sehnsucht nach längst vergangenen Zeiten. Lange vor dem Rust-Belt, als das Blubbern der Acht-Zylinder Limousinen Made in USA über den nassen, nachtschwarzen Asphalt zwischen akkurat gemähten Vorgärten der Vororte glitt. Heute blättert die Farbe von den hölzernen Veranden im Bostoner Arbeiterviertel, der ausgefranste Star-Spangeld Banner schlägt matt im warmen Sommerwind und hinter den löchrigen …

Cormac McCarthy – Ein Kind Gottes

Lester Ballad ist draußen wie ein Dixi(e)-Klo, wahrscheinlich war er nie wirklich drin. Selbst wenn man sich zu Beginn von Cormac McCarthys EIN KIND GOTTES hin und wieder der leisen Hoffnung hingibt und sich wünscht, Lester fände einen Weg raus aus dem Wald, zurück in die Gesellschaft des gottverlassenen Tennesse-Hinterlandes, wo niemand unversehrt scheint, schlägt einem bereits auf der nächsten Seite ein noch widerwärtigerer Brodem …

Theodor Fontane – Effi Briest

Roy Orbison singing for the lonely. Hey, that’s me and I want you only. Don’t turn me home again, I just can’t face myself alone again. Viele wunderbare Geschichten entspringen seit jeher ein und derselben bittersüßen, nie versiegenden Quelle: dem winzig großen, himmelweiten und traurig-schönen Riss zwischen Dir und mir. Dem tiefen Graben, der sich stets öffnet, black as the pit from pole to pole, …

Dan Simmons – Terror

„Ice Ice Baby“ (Vanilla Ice, To the Extreme, 1990) Zieht Euch warm an und Jacke zu – ab hier frieren Zehen ab! Im Jahre des Herrn 1845 passiert Sir John Franklin unter Billigung des mächtigen Arktischen Rates mit den Bombarden HMS EREBUS und HMS TERROR die Isle of Shepey, gleitet aus der mächtigen Themse-Mündung in die #Nordsee und glaubt fest daran, als Entdecker der sagenumwobenen …

Charles Simmons – Salzwasser

„Im Januar 1963 verliebte ich mich, und mein Vater ertrank.“ Verdammte Axt für das gefrorene Meer in mir, wenn das nicht einer der allerbesten ersten Sätze eines Romans ist, sei mein Name Gantenbein. Lieste, willste weiterlesen, machste, heulste. Wenn im Alltag zwischendrin mal Gänsehaut aus ist, gehe ich zum Buchregal, nehme Charles Simmons #SALZWASSER zur Hand, lese diesen unfassbaren ersten Satz und meine Nackenhaare sind …

Annie Proulx – Brokeback Mountain

Ich weiß nicht, was soll es bedeuten, dass ich so traurich bin. Wenn ich Annie #Proulx lese, fühle ich mich immer so Proulx. Einsam und verlassen stehe ich da, raues Präriegras schlägt mir die Beine blutig; in der Ferne, über dem schnurgeraden Horizont, hinter den staubigen Böen, beginnt ein blauer Himmel, so endlos, so voller gewaltiger Wolken, durch die die Sonne ihre hellen Strahlen als …