Monate: April 2019

Don Winslow – Tage der Toten

Tijuana, Mexiko. 48 Grad im Schatten, die Sonne brennt, in den Straßen brodeln die Leichenberge, weil die Corpse-Abfuhr streikt und in der Luft hängt der süßliche Geruch von geronnenem Blut, Angst und Testosteron. Im Hintergrund rattern die Geldzählmaschinen, irgendwo klingelt ein rotes Wählscheibentelefon. Ein finster dreinschauender Sicário mit fein ausrasiertem Menjou-Bärtchen, die verchromte AK47 locker in die Hüfte gestemmt, zwischen den blitzenden Gold-Zähnen einen glimmenden …

Tim Krabbé – Das goldene Ei

Es ist Ostern! Rex sucht Saskia. Eben war sie noch da. Saß seit den Niederlanden im Auto neben ihm, war mit ihm auf dem Weg nach Südfrankreich ins Ferienhäuschen, Lavendel schnuppern, Zikaden lauschen, Pernod nippen, Gitanes schmauchen, und jetzt, kurz nachdem die beiden die Route du Soleil verlassen und zum Tanken gestoppt haben, ist Saskia weg. Einfach so. Ohne ein Wort. Ohne Spaß. Schlicht und …

Bram Stoker – Dracula

Obacht, Männer! Jetzt geht’s um die Wurst. Es ist doch immer das gleiche! Da kommt es, das Monster aus dem Osten, kurz vor Türkenland, gotteslästerlich vor Gottes Angesicht in Ungnade gefallen, dem heidnischen Aberglauben entsprungen und zu ewiger Verdammnis bestimmt, schlägt es des nächtens – halb Mensch, halb Tier, furchtbar gutaussehend und sportlich – seine langen, spitzen Eckzähne in die schneeweißen Hälse Eurer, unserer Frauen. …

Heinz Strunk – Der goldene Handschuh

Vergammelte Omas. Interessiert sich kein Mensch für. Zahnlose Lederlappen in alkoholkonservierten Kittelschürzen, die für ein halbes Glas Fako den letzten Rest ihrer ranzigen Nachkriegs-Trümmer-Würde samt einer Runde Facki mit der Tochter per Bierdeckelvertrag an den deformierten, degenerierten Korsakow-Zwerg verkaufen, um dann vergewaltigt und zerschunden, mittels Fuchsschwanz in kniestockgerechte Portionen zerhobelt und als Fleisch am Stiel hinter Pappwand, Klebeband und ausgeblichene Masturbationsvorlagen gestopft zu werden. Da …

Patricia Highsmith – Der talentierte Mr. Ripley

„Mir doch egal, was der kleine Wannabe-Komparatist in Dir will. Tom Ripley ist Matt Damon ist Jason Bourne. Aus, Ende, Popcorn. Sei lieber froh, dass ich für Ripley nicht Sigourney Weaver auspacke, Du Aushilfs-Geisteswissenschaftler“, spricht mein inneres Auge und drückt mir Matt Damon aufs selbige. So sehr, dass ich fürchte, gleich kommt die Potente um die Ecke geschauspielergedarstellert. Literarische Perle vor die cineastische Sau, fühle …